Like-Festival - Kizomba - Die Homepage aus Leidenschaft!

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Like-Festival

Das Like 8 - 2017 fand wieder in der "Aldeia dos Capuchos statt. Das ist auf der anderen Seite des Tejo.
Direkt an meinem "Hausstrand" an der Costa da Caparica. Der Strand ist legendär!
30 KM lang, Naturschutzgebiet. Keine Hotels oder private abgesperrte Bereiche. Feinster Sand.

Reisebericht LIKE8 2017 in Lissabon:

LIKE 8 – Lissabon International Kizomba Ernergy Festival vom 22-24 September 2017
Ich behaupte zu sagen, bei keinem anderen Kizomba-Festival ist man Afrika, und somit dem Ursprung und den Wurzeln des Kizombas so nahe. 3 Tage Kizomba in seiner reinsten Form.
Doch eigentlich beginnt das Like viel früher, und endet viel Später. 4 Pre-parties und 3 After-Partys macht die ganze Veranstaltung zu einem Kizomba Marathon bei dem man bis zum Sonnenaufgang tanzen kann. Bereits der 18. September begann mit einer ganz besonderer Lokation. Dem Mwangolé. Die einzige rein Angolanische Discothek außerhalb Angolas. Da war man mitten drin, in Afrika. Zumindest tänzerisch. Nachdem die viele LIKE Teilnehmer bereits am Montag eintrudelten, um sich in Stimmung zu bringen, wurde dann ab ca. 1.30 die BPM`s hoch gefahren, und zu Kizomba Rapida wurde in dem brechend vollen Mwangolé angolanisch abgerockt.
Am 17. ging es dann weiter im B.leza. In diese Diskothek hat sich meine Lisa schon vor Jahren verliebt. Besonders der wunderschöne Blick auf die Brücke über den Tejo durch die verglaste Fassade beeindruckte sie. Man spürt dort beim Tanzen eine ganz besondere Energie.
Der Mittwoch im Barrio Latino war wieder ein High-Light. Vorher wurde zum gemeinsamen Essen eingeladen zu Live-Musik. Der riesige Tanzsaal war voll mit Tischen und Stühlen, und es wurde zur Live-Musik Kapverdisches Essen verspeist.
Unter uns auch Kaysha, Don Kikas; Elizio ua. Don Kikas gab dann spontan eine Einlage an der Gitarre. In Windeseile verschwanden alle Tische und Stühle, was mich als Portugiese selber erstaunte. ;-)
Und genauso schnell war die Tanzfläche auch wieder Voll, und es wurde getanzt bis in den Morgengrauen.
Donnerstag dann im riesigen Bolero, dessen Licht-Einrichtung und Effekte wirklich beeindruckend sind.
Freitag, endlich, einchecken im Hotel Aldeia dos Capuchos. Armbändchen dran, und ab in den Innenhof. Dort dröhnte schon der Bass. Alle waren „Hungrig“ und stürzten sich sofort zum Tanzen auf die riesigen Flächen bei wunderschönen 27° und blauen Himmel.
Als dann um 18:00 Uhr die ersten Workshops begannen, waren wir alle mehr als warm getanzt.
Die Workshops wurden kurzfristig „frauenfreundlich“ umorganisiert, denn das Like zeichnete sich durch extremen Frauenüberschuss aus, und es wurden zusätzliche Lady-Themen eingefügt.
Unser erster WS an diesem Tag absolvierten wir bei David & Laura aus Italien/Milano. Sie sind die Veranstalter des Kizomba Milano Festivals 14.12.2017 (KIZMI).
Durch diese beiden wurde nun ein weiter Kizomba-Stil Sallonfähig, das in den Jahren zuvor, und auch in diesem Jahr, von Albir in seinen Workshops seinen Weg bahnte.
Das Kizomba Fusion.
Ich habe diesbezüglich die beiden nach dem zweiten Workshop zu einem Gespräch darüber gebeten:
Kizomba Fusion ist das Einbinden von anderen Tanzformen und Techniken in das Kizomba, wie zum Beispiel argentinisches Tango. Sie wiesen aber ausdrücklich darauf hin, dass diese Tanztechniken sich dem Kizomba anpassen müssen, und nicht umgekehrt. Das Kizomba ist die Mutter, der Master. Das Kizomba zu verändern, um es für die anderen Techniken tanzbar zu machen, sei kein Kizomba-Fusion. Um Kizomba-Fusion zu lernen, muss vorher das Klassische Kizomba verinnerlicht werden, so sagten sie.

Der nächste beeindruckende Moment, den aber genau so erwartet habe, war mit Antonio Bandeira. Mein persönlicher Lehrer-Superstar. Sein tiefes Verständnis für den menschlichen Körper und dem Zusammenspiel der Musik machen jeder seiner Workshops zu etwas besonderen, zu einer Reise zu sich selbst. Seine Übungen und sein Ausdruck erinnert mich immer auch etwas an Ballett.
Der Meister der Saidas & Entradas erklärt, wie Balance, die Körperachse und Höhenvariationen motorisch durchzuführen sind. Wie der Körper sich zur Musik bewegt, die Richtung weist und sich Raum verschafft. Kizomba als Weg zur Begegnung mit dem eigenem Körper. Er hat mir, seit ich seine Workshops besuche, ein besonderes Körpergefühl beim Tanzen gegeben.

Abends dann die Party. Aus Lissabon Stadt kamen viele dazu. In 3 riesigen Sälen fand man verschiedene Musik, für verschiedene Arten Kizomba zu tanzen. Und überall war es voll. Wie auch bei den Partys zuvor war es wichtig, am Platz tanzen zu können. Davon hatte man nicht viel, und das war gut so, denn das ergab eine beeindruckende Stimmung. Für einen Moment, war man alleine unter eine Menschenmenge. Vereint mit dem Partner und der Musik.
Wunderschön anzuschauen waren auch die Angolaner, insbesondere die Frauen. Sie schmückten sich, bunt und glitzernd. So viel Afrika in diesen Frauen. Dass die Männer auch toll ausschauten ist mir irgendwie entgangen, aber meine Lisa hat mich darauf hingewiesen. Man möge mir verzeihen.
Eins war klar. Auf keinem Festival ist man den Wurzeln, dem Ursprung, Angola so nahe wie beim Like. Es war ein tolles Gefühl mit diesen Afrikanischen Schönheiten zu tanzen, die einem, auch wenn man selbst kein Schwarzer ist, nie einen Korb gaben. Federleicht ließen sie sich führen, und lächelten einen immer dabei an. Dass viele westliche Damen es genossen mit einem Angolaner zu tanzen, war kaum zu übersehen. Sie tanzen anders. Sie tanzen auf natürlich Weise Kizomba.
Auch während der Workshops konnte man sich an diesen höflichen gebildeten Menschen erfreuen. Ein englisch sprechender Blinder hätte nie wissen können, welche Hautfarbe sein Gesprächspartner hat. (Portugiesen würden evtl. es am Dialekt erkennen können). Die Freundlichkeit und der Umgang dieser Menschen war beeindruckend. Als hätte es Rassenkonflikte, Kolonialismus und Sklaverei nie existiert.

Am Samstag traf ich dann wieder einmal auf Ola & Macej aus Polen, eine feste Größe beim Like. Hier gab es zum Erlernen einfache, aber sehr schöne Kombinationen mit sehr viel theoretischen Input. Das ist sehr wichtig um Kizomba tanzen zu können, ähnlich wie beim Führerschein. Die Informationen die man bei den Beiden bekommt sind sehr wertvoll um Kizomba richtig tanzen zu können. Bezeichnenderweise nennen sie ihre Workshops „ Polish your Kizomba“.
Felicien Rossa hat gleich zu Anfang mit einer Ansage sehr beeindruckt. Er wies darauf hin, dass es seine Art zu tanzen ist. Wem es gefällt kann es gerne annehmen, wem es nicht gefällt braucht so Kizomba nicht tanzen. Es war wohl ein Hinweis darauf, dass auch er mit der Frage konfrontiert wird, „Kizomba or not?“, die ja z.Zt. in der Kizomba-Szene für Aufregung und heftigen Diskussionen sorgt. Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit ist das, was bei diesem Thema fehlt, und da hat er ein klares Signal gesetzt. Er steht zu dem, was er tut. Es ist sein Stil. Wem es nicht gefällt, der braucht es nicht tanzen.
Egal ob man seine Art annehmen möchte oder nicht, aber es hat sehr viel Spaß gemacht, es zu üben. Am Ende seines letzten Workshops schrie er noch hinaus, dass das nun sein letzter Workshop ohne seine Isabel gewesen sei, wofür er tosenden Applaus bekam.

Jeder Workshop war etwas besonderes, jeder Workshop auf seine Weise ein High-Light, so wie der Workshop von Eduardo Paim. Der Kizomba-Legende.
Er erzählte von seinem Leben. Das war so spannend und so informativ, dass es still war in dem riesigen Raum, und niemand sich traute zu bewegen.
Von der Flucht seiner Eltern vor den Portugiesischen Kolonialherren in den Kongo, und seiner Rückkehr nach Angola nach der Freigabe Angolas durch Portugals in die Unabhängigkeit und die Entdeckung seiner ursprünglichen Kultur. Und das auf seine Weise. Mit Musik.
Der Kongo war Französich/Belgisch. Hinzu kommt das er auch Musik der westlichen Welt zu hören bekam. So entstand eine Musik, bei der sein Vater ihn immer wieder fragte:“Was ist das für Musik? Sie hat kein Ursprung und keine Wurzeln.“ Lange Zeit wusste er die Antwort selber nicht. Eines Tages nannte er sie einfach Kizomba. Feiern. Die neue Musik hatte nun einen Namen. Da er mit seiner Band anwesend war, um auch Nachts ein Konzert für das Like zu geben, begleitet er seine Erzählungen immer wieder mit musikalischen Darbietungen um die Musik und seine Entwicklung auch akustisch zu vermitteln. Sehr beeindruckend.

Nachts fiel der Frauenüberschuss nicht mehr auf. Unmengen von portugiesischen und angolanischen (fast schon das Selbe wenn sie in Portugal leben) Kizombeiros und Kizombeiras stürmten Abends, wie schon seit dem 18. im Mwangolé, die Partys, um zu tanzen. Einige schwarze Frauen waren atemberaubend. Stichwort Beyoncé und Rihanna, um sich etwas bei diesem Satz vorstellen zu können. Für ausgefallene moderne Kombinationen und platzraubende Techniken war auf keiner Party ab ca. 1:00 Uhr Platz. Nur noch klassisches ursprüngliches Kizomba und Semba. Es war eine unglaubliche Atmosphäre.

Ein Ereignis ganz anderer Art war dann am Sonntag die Tribal Rhythms mit Vanessa und Petchu.
Das erste mal in meinem Leben, habe ich Afrikanische Fruchtbarkeitstänze getanzt. Hunderte von Menschen im riesigen Innenhof des Hotels beteten zu harten Trommelschlägen die Sonne an, riefen den Regen herbei, setzten den Samen in die Erde Erde und halfen auf sprituelle Weise beim Wachsen.
Am Ende schrie laut ein Schwarzer in die Menge: „We are all Afrikans“. Alles jubelte. Was für eine Seelen vereinendes Erlebnis.

Insgesamt waren alle Workshops von außerordentlich kompetenten Lehrern geleitet. Alles Erlernte zu verinnerlichen, war in dieser kurzen Zeit kaum möglich. Zuviel Input. Aber nun bleibt wieder 1 Jahr, um mit den gedrehten Videos und den Erinnerungen das Gezeigte zu erlernen.

Der Abschied, als wir das letzte mal in diesem Jahr das Hotel verließen, und von unserer letzten wunderschönen After-Party im B.Leza, war auch von Traurigkeit begleitet. Zu beeindruckend war dieses Like8, und zu wissen, dass zurück in Deutschland nichts mehr von diesem Ursprünglichen, diesem Afrikanischen mehr zu finden ist, macht das ganze nicht einfacher.
 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü